Open Source Device zur Sensorischen Substitution

Das „Unfolding Space“ Projekt beschäftigte sich mit Sensorischer Substitution, bei der die Funktion eines Sinnes durch Stimulation eines anderen Sinnes übernommen (substituiert) wird. Heraus kam ein Prototyp, der das 3D-Bild einer speziellen Kamera als Vibrationsmuster auf dem Handrücken anzeigt.

Blinde können dadurch den taktilen Sinn der Hand benutzen, um zu sehen.

Wissenschaft

Das Projekt entstand im Rahmen einer Bachelor Thesis, hat dadurch eine wissenschaftliche Basis und kann zur weiteren Erforschung kognitiver Vorgänge beitragen.

Design

Entwickelt und gestaltet mit Methoden des Interaction Designs und des Rapid Prototyping ist der Prototyp benutzerfreundlich und einfach zu erlernen.

Open Source

Das Projekt wurde unter CC-BY veröffentlicht.
Die Nutzung und Weiterentwicklung ist ausdrücklich erwünscht, um die Potentiale der Arbeit zu nutzen.

Günstiger Preis

Mit Herstellungskosten von weniger als 500€ ist der Prototyp günstiger als die meisten Devices zur Sensorischen Substitution.

Video Teaser

Hintergründe

Funktionsweise

Der Prototyp projiziert dreidimensionale Bildinformationen, die von einer Tiefenkamera generiert wurden, als Vibrationsmuster auf den Handrücken. Der Ort einer Vibration stellt die relative Lage eines Objektes im Raum dar, die Stärke der Vibration repräsentiert deren Entfernung.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das theoretische Rückgrat des Projekts bildet die Sensorische Substitution. Ein Phänomen, bei dem die Funktion einer fehlenden oder defekten Sinnesmodalität durch Stimulation einer anderen – in diesem Fall der taktilen – ersetzt (substituiert) wird. Zu Beginn des Substitutionsprozesses müssen diese neuen Stimulationen noch durch Analyse der taktilen Reize aktiv interpretiert werden. Doch mit ein wenig Training kann diese visuell-ähnliche Information schließlich implizit verstanden und unterbewusst verarbeitet werden. Die Nutzer*innen beginnen dann den Raum vor ihnen zu sehen.

Motivation

Für die Wissenschaft ist die Sensorische Substitution keineswegs neu: Schon seit über 50 Jahren wird sie intensiv erforscht. Dennoch macht sie sich auch heute nahezu keine Person zur Kompensation ihrer Sehschwäche zunutze. Alle Versuche das Konzept als Produkt umzusetzen wurden vom Markt nicht angenommen.

Prozess

Um die gesetzten Ziele zu erreichen war der Designprozess offen und praktisch angelegt: durch Methoden des Interaction Designs und des Rapid Prototypings wurden früh Funktionsmodelle gebaut, die in der Praxis intensiv auf bestimmte Kriterien hin getestet werden konnten. Ein besonderes Augenmerk lag darauf, die Produktionskosten des Devices so niedrig wie möglich zu halten (sie belaufen sich nun auf unter 500 €) und Arbeitsmaterial und Code unter CC-BY Lizenz zu veröffentlichen.

Auszeichnungen und Nominierungen

1. Platz beim Kölner Design Preis / Toby E. Rodes Award

„Der „Kölner Design Preis“ wurde 2018 zum 11. Mal vergeben und erstmals von der Neumann-Hug SA, der Bewahrerin der Estate Toby E. Rodes ausgelobt. Der Preis gehört zu den begehrtesten Auszeichnungen für junge Designabsolventen und würdigt seit diesem Jahr das Leben des deutsch-amerikanischen Gestalters Toby E. Rodes. Prämiert wurden herausragende Abschlussarbeiten von Designstudiengängen an Kölner Hochschulen. Der Award ist damit ein wichtiger Beitrag zur Förderung des Designnachwuchses und zur weiteren Profilbildung Kölns als Designstandort. Die Ausstellung im MAKK umfasst die Arbeiten der Preisträger und aller Nominierten und läuft bis zum 18. November 2018.“

„Mit ‚Unfolding Space‘ zeichnet die Jury ein Projekt aus, das hinsichtlich Idee, Entwurf und Umsetzung vorbildlich und bestechend ist. Jakob Kilian präsentiert mit dem Handschuh nicht nur einen voll funktionsfähigen Prototypen, sondern zeigt auch auf, wie die Kosten für ein solches Produkt zukünftig um ein Vielfaches reduziert werden können“

Mehr Informationen auf der Website des Kölner Design Preises

"Besondere Anerkennung" beim Lucky Strike Junior Designer Award 2018

Seit 1992 zeichnet die Raymond Loewy Foundation jedes Jahr den begabtesten Designnachwuchs des Landes mit dem Lucky Strike Junior Designer Award aus. Dabei legt die Jury großen Wert auf die gesellschaftliche Relevanz, die Zukunftsfähigkeit sowie Innovationskraft der Projekte.

Der Preis ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert und wird seit 2015 in den vier Kategorien „Produkt & Industrie“, „Kommunikation und Medien“, „Mode & Material“, „Konzept & Prozess“ vergeben. Seit 2017 lobt die Stiftung zusätzlich einen Sonderpreis für Young Professionals aus.

Durch ihre kontinuierliche Arbeit mit dem Nachwuchspreis seit über 25 Jahren trägt die Raymond Loewy Foundation zur Steigerung des Leistungs- und Qualitätsniveaus an deutschen Design-Hochschulen bei. Die Auszeichnung gilt mittlerweile als anerkannte Eintrittskarte in die Design-Profession und die Preisverleihung des Awards verschafft dem Design-Nachwuchs ein Forum, um Netzwerke in die Designbranche zu knüpfen.

Die Preisverleihung fand am Samstag, den 24. November 2018 im stilwerk in Hamburg statt. Zusammmen mit 20 anderen Absolvent*innen erhielt ich eine „Besondere Anerkennung“ für meine Arbeit.
Mehr Informationen auf der Website des Lucky Strike Awards.

Presse

Material

Die komplette Arbeit ist unter der CC-BY Lizenz (Namensnennung) veröffentlicht, um andere Entwickler*innen und Designer*innen zu inspirieren, die Idee fortzuführen und das Konzept auf diesem Wege so vielen Menschen wie möglich zur Verfügung stellen zu können. Im folgenden Abschnitt findest Du eine Übersicht des Materials.
Falls Du weitere Informationen benötigst oder Fragen an mich hast, kontaktiere mich gerne!

Der theoretische Teil der BA

Im sogenannten Proposal beschäftige ich mich zunächst theoretisch mit der Sensorischen Plastizität im Allgemeinen.

Der praktische Teil der BA

In der eher praktisch ausgerichteten Thesis selbst dokumentiere ich schließlich die Entwicklung des Prototypen und gebe Einblicke in den Design Prozess.

Bilder-Paket (140 MB)

In diesem Paket findest Du hochauflösende Bilder des Prototypen und des Prozesses, welche ebenfalls unter Namensnennung frei verwendet werden können.

Text-Paket (1 MB)

In diesem Paket findest Du Textmaterial, wie Kurzbeschreibungen und Hintergrundtexte in Englischer und Deutscher Sprache.

Der Code

coming soon!
Der Prototyp beinhaltet Softwarecode, der die Kamerabilder ausliest und für die Ausgabe auf dem Handschuh aufarbeitet. Im aktuellen Stand ist hierfür noch ein Apple Macbook im Rucksack des Trägers / der Trägerin notwendig, auf dem ein C++ Programm ausgeführt wird. Der Code und die Dokumentation sind unter folgendem Link auf Github zu finden.

Kontakt

Ich bin BA in Integrated Design (Köln International School of Design) und arbeite momentan freiberuflich.

Trete gerne mit mir in Kontakt unter: mail@jakobkilian.de oder besuche mein Portfolio unter: jakobkilian.de

Der Autor und Macher des Projekts Jakob Kilian im Porträt
Jakob Kilian
Interaction Designer
Eine Hand steckt Kabel zur Verbindung eines elektrischen Geräts